Turbulente Zeiten

Ein Interview mit Arnd Brüning

Lieber Arnd,

die erste Hälfte des Jahres ist vorüber und wir alle wurden bereits heftig durchgeschüttelt – von Corona. Was zu Anfang noch weit entfernt nur in China stattzufinden schien, schwappte letztlich doch zu uns nach Europa und hat uns ziemlich schnell ziemlich hart getroffen. Nach einer wochenlangen Ausnahmesituation kehren wir allmählich wieder ein Stückchen zur Normalität zurück.

Wie war deine Wahrnehmung, als sich die Krise anbahnte?

Zu Beginn habe ich das Thema nicht ernst genommen. Erst als sich die Informationen über die Situation in Ischgl verdichteten und die Infektionszahlen bei uns in Deutschland sowie die Zahl der Toten in Italien rasant anstiegen, wurde mir klar, dass wir handeln müssen.

 

Welche Maßnahmen wurden dann im Zuge des Lockdowns in der Brüning | Gruppe ergriffen?

Die wichtigste Maßnahme war die Entscheidung am 13. März, möglichst viele Mitarbeiter möglichst schnell ins Homeoffice zu schicken. Alles andere, die ganzen hygienischen Themen, Abstandsregeln, Reisebeschränkungen etc. waren selbstverständlich auch wichtig, aber nicht so prägend.

 

Und wie stellt sich die Situation nun dar, nachdem die allgemeinen Beschränkungen wieder gelockert wurden?

Die Rückkehr zu einer neuen Normalität haben wir gemeinsam sehr gut hinbekommen. Was bleibt ist eine Restunsicherheit bezüglich der Auswirkungen der Lockerungen und der gesamtwirtschaftlichen Situation. Jedoch wären wir bei einem erneuten Lockdown gut vorbereitet und könnten abermals schnell reagieren.

 

Durch den Lockdown kam es zu einem fast völligen Stillstand der Wirtschaft. Welche Auswirkungen hatte Corona auf das Geschäft der Brüning | Gruppe? Gab es Bereiche oder Units, die besonders betroffen waren – sei es positiv oder negativ?

Es gab einen Run auf alle Rindenprodukte, die dann sehr schnell nahezu ausverkauft waren. Zum Glück waren wir hier mit Lagermengen an unserem Standort Mölln gut ausgestattet, sodass die meisten Kunden bedient werden konnten, allerdings mit unüblichen Wartezeiten. Für die Unit Waste-to-Energie war es nicht so einfach, an Gewerbeabfälle zu kommen, da viele Firmen wenig oder gar nicht produziert haben. Aber auch hier haben wir gute Lösungen gefunden. Insgesamt waren die Auswirkungen auf unser Geschäft zum Glück überschaubar.

 

Wie schätzt du die langfristigen Auswirkungen auf die verschiedenen Branchen wie die Holz- bzw. Biomasseindustrie oder auch die Abfallindustrie ein?

Es wurden jetzt gewaltige Mengen an Fördermitteln freigesetzt, um die Wirtschaft schnell wieder anzukurbeln. Dabei ist natürlich die Förderung der regenerativen Energien erneut ein Schwerpunkt. Ich glaube, dass wir in einem Jahr das Gröbste überwunden haben und uns damit beschäftigen, was wir bei der nächsten Pandemie besser machen können.

 

Die vergangenen Wochen waren durchaus sehr lehrreich. Welches Fazit ziehst du für die Brüning | Gruppe aus dieser Zeit? Gibt es Dinge, die nun anders gehandhabt werden?

Wir arbeiten an einem Konzept, welches es möglich machen wird, dass das Thema „Homeoffice“ für viele Mitarbeiter ein normaler Bestandteil des Arbeitslebens sein wird. Ich persönlich glaube, dass das Instrument „Videokonferenz“ mehr genutzt werden wird. Dadurch fallen Geschäftsreisen weg (natürlich nicht alle) und den Mitarbeitern steht mehr Zeit für die Erledigung ihrer Aufgaben und für die Familie zur Verfügung. Ich persönlich habe mir vorgenommen, auch ohne eine derartige Krise von außen öfter mal etwas Neues auszuprobieren. Wir reden ganz oft darüber, dass wir schon vorher mal einen Versuch mit dem Homeoffice hätten durchführen können. Wichtig ist, dass es uns gelingt, jetzt alle Kräfte zu mobilisieren, um gemeinsam gestärkt aus dieser Krise herauszukommen. Mein Gefühl sagt mir, dass wir bei uns in der Gruppe in Bezug auf Zusammenarbeit das Beste daraus gemacht haben und so muss es weiter gehen.

 

Herzlichen Dank für das Interview!